Bericht aus der Kleinen Zeitung 

 

Sie formen Zinn zu edlen Stücken

Der Zinngießer Rupert Leikam und sein Sohn Thomas sind die einzigen ihrer Zunft in Österreich. Jetzt gab es für ihren Betrieb in Knappenberg eine Auszeichnung durch das Land Kärnten.

 

Wir wurden von Lehrlingsreferent Uwe Scheuch als bester Lehrbetrieb Kärntens in der Kategorie ein bis drei Lehrlinge ausgezeichnet!", freut sich Zinngießer Rupert Leikam über ein Signal des Landes. Der Zinngießer ist österreichweit gern gesehener Gast bei hochwertigen Kunsthandwerks- und Christkindlmärkten. Ob in der Salzburger Innenstadt oder auf der Festung Salzburg, Leikam ist immer dabei. "Dort verkaufen zu dürfen, ist eine Auszeichnung, weil wirklich nur Hochwertiges angeboten werden darf", betont Leikam. Vor 20 Jahren hat er im Bergdorf Knappenberg in der alten Bergwerkstischlerei seine Werkstätte eröffnet. "Damals war es genau 100 Jahre her, dass der letzte Zinngießerbetrieb in Kärnten zugesperrt hatte", erinnert sich Leikam. Der Maschinenbautechniker hat 1990 die Formen von drei aufgelassenen Zinngießereien aufgekauft und ist ins Zinngießerleben gestartet. Zinn, früher das "Silber des Bürgertums", wird seither in Kärnten wieder bearbeitet. Leikam produziert Teller, Becher und blumige Auszeichnungen für die Blumenolympiade der Kärntner Gärtner. "Viele Großbetriebe bestellen bei mir", ist Leikam stolz, der auch einen Bezug zu Münzen hat: 300.000 Friesacher Pfennige für das Spectaculum der Burgenstadt hat Leikam geprägt.

Erster Lehrling seit über 100 Jahren

Prägend ist der Beruf des Vaters auch für Sohn Thomas (17). Der Spitzenschifahrer hat im Vorjahr beim Vater eine Lehre als Zinngießer begonnen. "Thomas ist laut Wirtschaftskammer der erste Lehrling in diesem Beruf seit über 100 Jahren", sagt Rupert Leikam. Das brachte Probleme bei der Erstellung des Berufsbildes und bei der Zuteilung zur richtigen Berufsschule. Diese wurde in Neunkirchen gefunden, wo österreichweit die Ausbildung der Metallgießer installiert ist. Die Lehrzeit für den Zinngießer wurde mit zwei Jahren festgesetzt", so Leikam, der nun auch allgemeine Ausbildungsrichtlinien für Zinngießer erarbeitet. Somit soll das Berufsbild, das er wieder belebt hat, endgültig dem Vergessen entrissen werden. "Es ist ja nicht so, dass kein Zinn mehr verarbeitet wird. Aber alles passiert maschinell. Wir hier in Knappenberg erzeugen alles, was nicht in Großserien produziert werden kann. Wir sind spezialisiert auf Marktnischen", erklärt Leikam. Natürlich hat er auch ganz spezielle Glücksbringer kreiert. Leikam kaufte alte Schillingmünzen auf, die er in Schlüsselanhänger aus Zinn fasste. Viele Kärntnerinnen und Kärntner tragen den in Zinn gefassten Leikam-Schilling aus ihrem Geburtsjahr als Talisman bei sich.

Den Nachteil des entlegenen Produktionsortes macht das Unternehmen Leikam mit Flexibilität wett. Das ist mit ein Grund dafür, dass die kleine Zinngießerei zu einem der besten Lehrbetriebe Kärntens geadelt wurde.

 

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Rupert Leikam

9376 Knappenberg